Sprechstunde

Pflege auf der Leinwand

Schweizer Filmliebhaber*innen dürfte der Film "Heldin" kaum entkommen sein. Seit über einem Monat läuft er in Schweizer Kinos fast schon rauf und runter und das völlig zurecht. Im Mittelpunkt steht die Pflegefachfrau Floria, die wir während eines intensiven Spätdienstes auf einer chirurgischen Station begleiten. Was dabei entsteht, ist ein authentisches, erschütterndes und zugleich würdiges Porträt eines Berufes, dem wir unsere Gesundheit verdanken. 

Das Team ist unterbesetzt, Kolleg*innen fallen aus – ein Szenario, das Pflegefachpersonen in der Schweiz nur zu gut kennen. Wie realistisch ist das, was wir da sehen? Fachfrau Gesundheit Sarah Schillig schätzt im Interview ein.

Floria arbeitet im Kantonsspital auf einer überfüllten Station. Sie ist Anfang 30, getrennt, Mutter einer Tochter und mitten im Dauerstress des Schichtdiensts. Kaum in der Garderobe angekommen, ruft man sie bereits zur ersten Patientin. In ihrer anstehenden Spätschicht ist sie verantwortlich für zwölf Menschen: darunter eine schwerkranke junge Mutter, ein verzweifelter älterer Mann, der auf eine Diagnose wartet, und ein fordernder Privatpatient mit Sonderwünschen.

Realität trifft Film

Sarah Schillig ist gelernte Fachfrau Gesundheit, aktuell Passerelle-Schülerin und arbeitet nebenbei 20 Prozent im Kantonsspital Zug. Die 20-Jährige sagt: 


„Vieles im Film könnte genauso passieren – wenn auch nicht in dieser Ballung. Die Grundstimmung ist real.“


Gerade in ihrem stressigsten Spätdienst habe sie ähnliche Situationen erlebt: Überlastung, emotionale Extremsituationen, das Gefühl, gleichzeitig überall gebraucht zu werden.

Pflege am Limit – und warum viele aussteigen

Der Film spricht auch ein heikles Thema an: den Berufswechsel. Im Film erzählt Florias Kollegin Bea, dass sie überlegt, auszusteigen. Die Figur Beat und unsere Interviewpartnerin Sarah sind keine Einzelfälle. Über ein Drittel der ausgebildeten Pflegefachpersonen verlassen den Beruf innerhalb von vier Jahren. 

Der Film macht die Notwendigkeit der 2019 angenommen Pflegeinitative deutlich. Die Initiative ist ein Schritt Richtung mehr Unterstützung fürs Pflegepersonal. Die Initativumsetzung verläuft zwar stetig, doch im in Anbetracht der Notwendigkeit zu langsam. Die Zahlen sind erschreckend: in fünf Jahren fehlen der Schweiz rund 30'000 Pflegefachkräfte.

Ein gelungenes Gesamtbild

Nicht nur die Thematik, auch die Umsetzung überzeugt: Schauspielerin Leonie Benesch verbrachte für ihre Rolle eine Woche mit einer echten Pflegefachfrau, um sich vorzubereiten. Die 27 Drehtagen wurden durch eine Pflegeexpertin begleitet, die auf jedes Detail achtete. Das merke man dem Film an, sagt unsere Interviewpartnerin. 

„Heldin“ schafft es, die Realität der Pflege sichtbar zu machen – ungeschönt und eindrücklich. Der Film berührt, rüttelt auf und bleibt im Kopf. Nicht nur für Pflegefachpersonen ein Muss, sondern für alle, die verstehen wollen, wie es hinter den Türen unserer Spitäler wirklich aussieht.

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