Where the Hell is Bad Bonn?
Radio 3FACH brachte dir die diesjährige Ausgabe der Kilbi in dein Wohnzimmer. Wir waren vom Donnerstag bis am Samstag vor Ort. Wer wir am Festival trafen und was uns bewegte, hörst du hier.
Ich verstehe nicht, was du singst, aber ich glaube dir! - Traidora im Interview

Das Zelt der B-Stage beginnt sich langsam zu füllen, als aus der PA plötzlich die anklagende Stimme der chilenischen Sängerin Violeta Parra ertönt. Es ist kein Zufall, dass die Londoner Band Traidora "Miren Cómo Sonríen" als ihren Walk-out-Song wählen. Der Titel bedeutet auf Deutsch so viel wie "Schau, wie sie lachen", ein eindringliches Protestlied aus den 60er Jahren, welches in den fröhlich strahlenden Gesichtern der Oberklasse ein trauriges Symbol der kapitalistischen Ausbeutung zu erkennen gibt.
Wie Violeta Parra befasst sich auch die Traidora-Frontfrau mit den grossen Ungerechtigkeiten. Umgeben von der blau-rosa-weissen Transgender Pride Flagge, einer Palästina-Flagge und der Flagge der in ihrem Heimatland Chile indigenen Mapuche, klagt sie eine Welt an, die ihr als migrantische Transperson feindlich gesinnt ist.
Frustration und Wut schwenken in den blitzschnellen, dröhnenden Hardcore-Tracks schnell zu einem Gefühl der Erlösung und Heilung um. Ein extrem energetisches Erlebnis, das für die wohl besten Moshpits der diesjährigen Kilbi gesorgt hat. Kein T-Shirt blieb trocken, kein Trommelfell verschont von der ohrenbetäubenden Wucht der maschinengewehrartigen Drums.
Anfänglich sei es ihre Motivation gewesen, sich mit Traidora eine Stimme zu verschaffen. Eva hat es nach dem Umzug ins Vereinigte Königreich einige Male in Punk-Formationen versucht, sich aber nie wirklich wohlgefühlt, wie sie im Interview erzählt. Die ersten Traidora-Aufnahmen entstanden in völliger Eigenregie, kurze Zeit nach Evas Transition. Sie fühlte sich damals alleine und suchte nach einem Ventil für ihren Selbstausdruck.
Ganz organisch wuchs Traidora dann zu einer vierköpfigen Band – auch wenn die Kilbi dieses Jahr im Trio bespielt wurde. Ähnlich wie die bisher erschienenen Alben dauert auch der Auftritt an der Kilbi kaum mehr als zwanzig Minuten und trotzdem schafft es Eva Leblanc, das Publikum in einen Bann zu ziehen. Ein unvergessliches Erlebnis und ein absolutes Highlight der Kilbi 2026!
Cortisa Star

Cortisa brachte Bad Bonn mit ihrer chaotischen und energiegeladenen Performance zum Beben. Die Stimmung im Publikum war unbeschreiblich. Da sie noch relativ neu im Musikgeschäft ist, ist es umso beeindruckender, wie viel Persönlichkeit und Authentizität sie in ihre Songs einfliessen lässt. Wir haben ausserdem erfahren, wann ihr neues Album erscheint und was wir davon erwarten können (hör dir das Interview an, um mehr zu erfahren).
Musikalische Ehrfurcht – JJJJJerome Ellis im Interview

Ein willkommenes Wiedersehen mit JJJJJerome Ellis! Fast vier Jahre ist es her seit seinem letzten Interview mit 3FACH. Damals bespielte er zusammen mit der amerikanischen Künstlerin Angel Bat Dawid die Berner Dampfzentrale. Nun ist Jerome zurück in der Schweiz und sorgt mit their Auftritt an der Kilbi für eine ordentliche Ladung Überraschung.
They präsentiert Neues, Ungewohntes. Unfertige Songskizzen, Demos und Stücke, die wohl nie veröffentlicht werden. Unterstrichen wird die unerzwungene organische Grundstimmung der Performance durch die Projektion von Liedtexten und Zwischenmoderationen der Künstlerperson auf eine Leinwand hinter them – oder zumindest so lange, bis der Beamer dann aussteigt. Es sind Lieder, die "Reference"-Ehrfurcht, Verehrung ausstrahlen sollten. In gerappten Textpassagen widmet they sich seinen verstorbenen Grosseltern und seiner Frau, der Wissenschaftlerin und Poetin Luísa Black Ellis.
They versuche Musik als eine Form der Ehrbietung zu nutzen, als eine Form, Vorfahren, die Erde, in der wir leben, aber auch die Arten, in denen wir Liebe zeigen, zu würdigen. Die Darbietung wirkt zum Teil etwas kindlich und rudimentär. Die Flows wollen nicht so recht sitzen, treffen die Zuhörerinnen aber vielleicht gerade deshalb mitten ins Herz. Musik, die Verletzlichkeit offenbart und Unvollendetes zelebriert. So sagt Jerome im Interview, dass es their Ziel sei, dem Publikum Wärme durch sein musikalisches "Fest der Liebe" zu vermitteln, ein Gefühl, das they mit dem Geniessen einer etwas kitschigen RomCom verbindet.
KAVARI - Crunch and Distortion
Was macht man, wenn der Club, in dem man auflegt, nur Chartmusik erlaubt? Natürlich eine Stunde lang Dubstep vor leerem Haus spielen! So begann KAVARI, sich musikalisch auszudrücken.

Die genreübergreifende Produzentin aus Glasgow, die bereits von Grössen wie Aphex Twin bewundert wird, lässt sich nicht auf ein einziges Genre reduzieren. Sie bricht mit traditionellen Musikstrukturen und filtert die wahren Musikfans heraus. Auf die Frage nach ihren Auswahlkriterien für ihre DJ-Sets antwortete sie schlicht: „It just has to go hard“ Und verdammt, sie hatte Recht! Düdingen bebte. Wirklich ein unvergessliches Erlebnis. Wenn du wissen willst, welche Stimme aus einer ikonischen animierten Webserie es auf ihre neueste EP geschafft hat, findest du es im vollständigen Interview unten heraus.
Die Musik der Liebe
Nyron Higor im 3fach Interview
Als Solokünstler der Nordwestküste von Brasilien fing Nyron Higor bereits mit Demo Tapes während den Corona Jahren an, sich lokal einen Namen zu ergattern. Zusammen mit Batata Boy, welcher auch in diesem Interview zu Wort kommt, veröffentlichte er letztes Jahr sein atmosphärisches und wahnsinnig harmonievolles Sophomore Album.

In unserem Interview gibt uns Nyron Higor sein ausgeprägtes Kunstverständnis zu Preis und erzählt mit Hilfe seinen Friends von seinem Werdegang.
Horsegirl - eine Band aus Chicago ist alles andere als neutral
Dieses Jahr an der Bad Bonn Kilbi haben wie immer auch internationale Gäste auf der Bühne Platz genommen. Eines davon ist die Punk-Band Horsegirl. ihre Musik ist im Gegensatz zur Schweizer Milch nicht wirklich neutral. Selber sagen sie auch
"Keine Kunst ist neutral. Es braucht diverse Perspektiven."
Penelope, Nora und Gigi spielen Gitarre, Keyboard und Schlagzeug. Ihre Musik ist geprägt vom DIY-Spirit und dem Minimalismus. Bei ihren Auftritten leben sie einfach im Moment und probieren Momente zu schaffen, die für die Ewigkeit bleiben. Was die Zukunft bringt, da sind sie voller Hoffnung.
Ob die Musik von The Menstrual Cramps wohl wirklich so schmerzt wie der Titel??
Der Freitag kam früh in Schwung und so wurde der Tag auch mit einem lebendigen Interview gestartet. Wir durften die queere Punkband, The Menstrual Cramps aus Bristol in unseren Übertragungswagen holen und haben mit ihnen gequatscht.
The Menstrual Cramps und ihr RitualWenn du jetzt aber wissen willst, ob der Titel wegen ihrer Musik so gewählt worden war dann musst du das hier jetzt selbst hören ich schreib es dir nicht hier hin :) Viel Spass
Die Kraft der Musik - Dino Brandão

Für den Musiker mit angolanischen Wurzeln war der Auftritt an der Bad Bonn Kilbi nicht der erste in diesem Jahr. Besonders hat er sich jedoch darauf gefreut, dass er in einem Klub spielt, besonders nach den vielen Openairs. Er sieht die Kilbi als "Oase von diverser Musik, die in alle Richtung glänzt", die ihm in allerbester Erinnerung geblieben ist.
Dino singt in verschiedenen Sprachen und findet, man hat in jeder Sprache eine andere Persönlichkeit. Er würde gerne Kimbundu lernen, die Sprache seiner Grossmutter. Kimbundu "ist so Gangster", meint er im Gespräch. Er arbeitet viel mit anderen Musiker*innen zusammen, was ihm sehr viel gibt:
"Für mich ist es die grösste Bereicherung überhaupt, mit anderen Musik zu machen."
In Zukunft würde er gerne mal mit Stromae Musik machen. Mit seiner Öffentlichkeit leistet er auch Sensibilisierungsarbeit: Im Film "I love you I leave you", der letztes Jahr veröffentlicht wurde, wird er im Leben mit seiner bipolaren Störung begleitet. Die Reaktionen darauf geben ihm Zuversicht:
"Ich habe gemerkt, dass Kunst manchmal schon Dinge anstossen kann."
Dino Brandão sieht es als Türöffner, dass man das Thema psychische Gesundheit und Bipolarität offener bereden kann. Das hat ihm Hoffnung gemacht und aufgezeigt, dass es Dinge gibt, die sich doch relativ schnell verändern können.
Pissing outside the Überträgigswage because there isn’t enough space inside

Manic Pixxies, kürzlich ihr Debütalbum «I know my headphones really well» veröffentlicht, stehen sie heute auf der A-Bühne der Bad Bonn Kilbi omg. Die Band aus Zürich, bestehend aus Gen-Z-Royals, gewann 2024 am M4Music Festival «Demo of the Year» und seither könnte es wohl nicht besser laufen für sie.
Im Interview erzählen sie uns, wie sich ihre Dynamik mit den vielen Erfolgen verändert hat, wieso sie an der Bad Bonn nicht ihr übliches Konzert-Ritual durchführten und mit welchen Kopfhörern wir ihre Musik am besten hören sollten.
Tape Collages und verzaubernde Klangwelten - Milkweed
Das geheimnisvolle Folk-Duo Milkweed präsentierte seinen eindringlich-bezaubernden Sound auf der Bad Bonn Mainstage. Ihre einzigartige Musikphilosophie verleiht ihrer Musik eine besondere Tiefe und hebt sie von anderen ab. Ihr Schaffensprozess ist sehr spontan: Sie schrieben und nahmen ein ganzes Album an nur einem Tag auf. Um mehr über den Moment zu erfahren, als während der Aufnahmen ein Zug vorbeifuhr und wie sie darauf reagierten, hör dir das vollständige Interview an.