Die letzte Intravinyl-Ausgabe vor der grossen Leere. Bevor wir für sieben Wochen in den Sommerschlaf gehen, gibt’s aber noch eine ordentliche Portion Summervibes auf deine Ohren. Zwei Alben, die Wärme und Lebensenergie ausstrahlen, ohne den Hang zum Abenteuerlichen und Experimentierfreudigen zu verlieren. Auf der einen Seite eines der grössten Werke der italienischen Popmusik. Auf der anderen Seite spielerischer, orchestraler City Pop aus Japan. Musik für träumerische Tage am Strand. Hör rein!
Tokio in der Abenddämmerung
Bei seiner Veröffentlichung im Jahr 1977 nur mässig erfolgreich, gilt Sunshower heute als Meilenstein der japanischen Popmusik. Entstanden in einer Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs und kultureller Offenheit, transportiert das Album eine optimistische Grundstimmung. Einflüsse aus Funk, Jazz, R&B und Disco verschmelzen zu einer neuen japanischen Popästhetik, dem später so bekannten City Pop. Songs wie „Summer Connection“ oder „Tokai“ klingen leichtfüssig und sonnendurchflutet, beinhalten unter der Oberfläche aber auch gesellschaftskritische und nachdenkliche Texte über Massenkonsum und kapitalistische Gier. Unvergesslich bleibt die Platte nicht nur wegen der weichen, spielerischen Stimme Taeko Onukis, durch die stets eine Prise Melancholie hindurchscheint, sondern auch wegen der hochkarätigen Besetzung der Studioband. So sind neben Onuki auch die späteren Yellow-Magic-Orchestra-Stars Haruomi Hosono und Ryuichi Sakamoto zu hören. Letzterer schrieb zudem sämtliche Arrangements des Albums.
Mediterrane Sommer als innere Reisen
Anima Latina ist der Höhepunkt einer Entwicklung, die bereits mit dem Vorgängeralbum Il Nostro Caro Angelo begonnen hatte. Mitte der 1970er-Jahre entfernt sich Lucio Battisti immer weiter von den radiotauglichen Popsongs, die ihn in Italien zu einem der erfolgreichsten Künstler des Landes gemacht haben. Inspiriert von einer Brasilienreise, wendet er sich experimentelleren Klangwelten zu. Im Mix rückt seine eigene Stimme zugunsten eines ganzheitlichen Klangbildes zunehmend in den Hintergrund. Wie bei den Vorgängeralben stammen auch hier die Texte vom Poeten Mogol. Dieser bezeichnet die Lyrics von Anima Latina bis heute als einige seiner besten Arbeiten: abstrakte Abhandlungen über persönliche Selbstfindung, menschliche Gemeinschaft und Spiritualität. Stücke wie „Due Mondi“ oder „Anonimo“ zeigen eine lyrische Tiefe, die weit über klassische Popsongs hinausgeht. Klänge, die zugleich vertraut, rätselhaft und zutiefst berührend wirken.
Playlist
Taeko Onuki - Summer Connection
Taeko Onuki - Kusuri o Takusan
Taeko Onuki - Nani mo Iranai
Taeko Onuki - Tokai
Taeko Onuki - Karappo no Isu
Taeko Onuki - Law of Nature
Taeko Onuki - Dare no Tame ni
Taeko Onuki - Silent Screamer
Taeko Onuki - Sargasso Sea
Taeko Onuki - Furiko no Yagi
Lucio Battisti - Abbracciala abbracciali abbracciati
Lucio Battisti - Due mondi
Lucio Battisti - Anonimo
Lucio Battisti - Gli uomini celesti
Lucio Battisti - Gli uomini celesti - Ripresa
Lucio Battisti - Due mondi - Ripresa
Lucio Battisti - Anima latina
Lucio Battisti - Il salame
Lucio Battisti - La nuova America
Lucio Battisti - Macchina del tempo
Lucio Battisti - Separazione naturale