Stooszyt

Sexualität ist kein Sonderthema

Eine Lücke in der Zentralschweiz

Wie finde ich eine Partnerin oder einen Partner? Wie funktioniert mein Körper? Wie erkenne ich ein Ja oder ein Nein? Fragen rund um Liebe, Beziehungen und Sexualität beschäftigen alle Menschen. Trotzdem fehlte es in der Zentralschweiz bisher an einer Beratungsstelle, die speziell auf Menschen mit Behinderung ausgerichtet ist. Genau hier setzt zäme+ an. Seit diesem Sommer können sich Menschen mit Behinderung dort kostenlos zu Themen wie Liebe, Sexualität, Beziehungen oder Verhütung beraten lassen. 

Im Interview mit der Kopräsidentin Claudia Schwingruber sprechen wir über den neu gegründeten Verein. 

Zwar gibt es in Luzern bereits Fachstellen für sexuelle Gesundheit oder Lebensfragen. Diese sind aber nicht spezifisch auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung ausgerichtet. Gleichzeitig gibt es Fachstellen für Menschen mit Behinderung. Dort steht wiederum Sexualität nicht unbedingt im Zentrum.

Beratung ohne Barrieren

Menschen mit Behinderung brauchen teilweise andere Voraussetzungen für eine Beratung. Dazu gehören beispielsweise unterstützte Kommunikation, hindernisfreie Zugänge oder Beratungen direkt vor Ort. Auch das Umfeld spielt eine wichtige Rolle. Nicht nur Menschen mit Behinderung selbst wenden sich an zäme+. Auch Eltern, Betreuungspersonen oder Institutionen kommen mit Fragen auf die Fachstelle zu. Dabei können ganz unterschiedliche Situationen Thema werden: Wie spricht man mit dem eigenen Kind über Sexualität? Wie können Grenzen vermittelt werden? Oder wie kann eine Person in einer schwierigen Situation so unterstützt werden, dass sie möglichst selbstbestimmt entscheiden kann? Ein zentraler Punkt ist dabei die Selbstbestimmung. Gerade bei Liebe und Sexualität können Menschen mit Behinderung teilweise weniger frei entscheiden, weil Eltern, Betreuungspersonen oder Institutionen in ihrem Alltag stark involviert sind. Gleichzeitig möchte zäme+ diese Personen nicht als Problem darstellen. Im Gegenteil: Sie sind oft besonders nahe an den betroffenen Menschen und müssen im Alltag mit komplexen Situationen umgehen. Die Beratungsstelle versteht sich deshalb als Ergänzung und möchte gemeinsam mit dem Umfeld Lösungen finden.

Wie geht es mit zäme+ weiter?

Damit das Angebot kostenlos bleiben und weiter ausgebaut werden kann, braucht zäme+ momentan noch finanzielle Unterstützung. Der Aufbau wird vor allem durch Stiftungsgelder ermöglicht. Gleichzeitig ist der Verein bereits im Austausch mit dem Kanton Luzern. Das langfristige Ziel ist, die Beratungsstelle so weit aufzubauen, dass daraus eine stabile Lösung entstehen kann, die nicht dauerhaft von Stiftungsgeldern abhängig ist. Bis dahin sammelt zäme+ Erfahrungen und entwickelt das Angebot Schritt für Schritt weiter. Denn für den Verein ist klar: Liebe, Sexualität und Selbstbestimmung sollten für Menschen mit Behinderung kein Sonderthema sein – sondern genauso selbstverständlich wie für alle anderen.

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